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Unternehmenskultur - Finanzdienstleister

Autorin:
Irma Reinartz,
Diplom-Volkswirtin,
Managementberaterin

Finanzdienstleister diskutieren das Thema, allein es fehlen Lösungen.
Das ist nicht überraschend, denn auch die Chancen eines dialoggestützten Marketing, dem Grundstoff für vernetzte Unternehmenskultur und damit die Basis für Exzellenz, sind hier bisher nicht oder nur sehr schwach erkennbar.

Innovationen, Produktzyklen, Zielgruppenorientierung, Bedarfsverdeutlichung, Mitarbeiterführung und Kundenmanagement
stecken hier beharrlich in den Kinderschuhen.

1. Säule. Volkswirtschaft & Betriebswirtschaft

Die Krise in 2008 entstand, weil den Banken das Produktmanagement aus dem Ruder gelaufen ist. Das Resultat: Verlust an Vertrauen.

Finanzdienstleister stecken in einer Identitätskrise.
Bei den Banken greifen Start-ups und Internetgiganten wie Google oder Paypal ihr Geschäft an. Kredite gibt es über Smartphone, den Berater ersetzt der Roboter.
Die Finanzdienstleister lassen ihre  POS ohne erkennbare Gegenwehr ab- und aussterben. Versicherungen geben zu, dass sie das „Problem der doppelt orientierten Kunden noch nicht gelöst haben und online mehr schlecht als recht aufgestellt sind.“

Die Erträge der Unternehmen sinken aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und der ausbleibenden Innovationen. Die Aufwendungen bleiben hoch bzw. steigen noch durch strengere Risiko- und Regulierungsanforderungen. Arbeitsplätze sind in Gefahr. Die seit Jahrzehnten praktizierte Wachstumsfixierung hat den Rubikon überschritten.

Das Vertrauen zum Banker gilt als nachhaltig zerstört. Nur 39% vertrauen dem Banker. Noch schlechter ist das Vertrauen zum Versicherungsvertreter, er landet mit 19,4 Prozent auf dem letzten Platz des Vertrauensrankings nach Berufen.

Bill Gates hat voraus gesagt: „Banking is necessary, banks are not“.  Auguren sehen schon voraus, dass das Bankgeschäft bald ohne Banken stattfindet. Stimmt das?

Dabei ist der eigentliche Nutzen von Banken im Wirtschaftsprozess unbestritten.

Vorteile sind zudem etablierte Marken, institutionelle Stärken sowie Finanzkompetenzen, um Risiken einzuschätzen, zu bewerten und zu managen. Auch Diskretion hinsichtlich der Daten und eine langjährige Erfahrung mit regulierungsinduzierter operativer Sicherheit sprechen für Banken.

Ob es zu einem Verschwinden der traditionellen Finanzdienstleister kommt, hängt davon ab, wie sie sich den kommunikativen Herausforderungen und der Digitalisierung stellen.

Im Moment scheint noch die Taktik des Abwartens die Strategie zu dominieren. Bei der Digitalisierung 4.0 ist aber sofortige und konsequente Strategie gefragt, denn Digitalisierung verändert in Echtzeit Kunden und Märkte.

Kein Kundenzugang ist umfassender, enger und schneller als der über das Internet. Vernetzte Dienste, die Suche nach Information, das Management von Beruf und Freizeit, die Verwaltung persönlicher oder finanzieller Daten gehören zunehmend „alternativlos“ zum täglichen Alltag, 

Und dieser Weg ist unumkehrbar.

Die Finanzdienstleister, so wie wir sie heute kennen, wird es nicht mehr geben. Von den traditionellen Anbietern werden nur die überleben, die bereit sind, sich komplett neu zu erfinden.